Ein Hach zu grün - aus der AZ von Ronald Maior

25.09.2018

TV Immenstadt - TSV Simbach 31:36

Ein Hach zu grün - aus der AZ von Ronald Maior

Immenstadt ärgert Simbach lange mit frechem Spiel - am Ende geht die Luft aus. Mit 31 Toren überzeugen die Gastgeber offensiv, verlieren aber wegen defensiver Aussetzer

31 Tore gegen Simbach zu werfen, ist grandios. 36 zu kassieren, ist indiskutabel. Sie hatten sich so viel vorgenommen, die Landesliga-Handballer des TV Immenstadt – der erste Saisonsieg sollte her. Und offensiv boten die „Grünen" den heimischen Fans auch ein Feuerwerk – doch die 270 Zuschauer in der Julius-Kunert-Halle sahen dennoch eine 31:36 (16:16)-Niederlage ihrer Mannschaft gegen den TSV Simbach. „Was die Jungs an Offensivfeuerwerk abgeliefert haben, ist sagenhaft – am Ende hat aber die Kraft gefehlt", sagte TVI-Coach Christian Becker, der deutlicher wurde: „Aber wenn man 36 Tore kassiert, wird man nirgendwo in dieser Liga ein Spiel gewinnen."

Nach einer Schweigeminute für die verstorbene Ex-Spielerin und Trainerin Nicole Schultz starteten die Städtler recht unberührt und bis auf Marcel Berger in Bestbesetzung. Schon in der Anfangsphase ging es rassig zu – Cristian Savlovschi erzielte das erste Saisontor für seine Grünen in der heimischen Halle, das der wurfgewaltige Sanel Merdanovic mit dem ersten Treffer für die Gäste beantwortete. Der TV Immenstadt machte es den Oberbayern früh durch hohe Variabilität im Angriffsspiel schwer. Ob über Anspiele auf Kapitän Benjamin Krämer am Kreis, durch Würfe von Jonas Becker aus dem Rückraum oder über Außen Marcel Heil: Die Gastgeber spielten nur schwer ausrechenbar – allein die Chancenverwertung ließ anfangs zu wünschen übrig. Nur deshalb hielten die „Grünen" die Simbacher, die meist über Merdanovic und den zweiten Neuzugang Denis Basagic zu Toren kamen, im Spiel – über 5:4 (10.) und 8:8 (17.) setzte sich kein Team ab. Doch weil die Gäste Amar Hrustanovic in Manndeckung und deshalb praktisch aus dem Spiel genommen hatten, musste sich Becker eine neue Variante einfallen lassen. Und die „Jungspunde" Matthias Hagenauer, Jonas Becker und Julius Kühner spielten im Rückraum fortan frech auf. Dass die Gäste trotz zwischenzeitlicher 12:10-Führung des TV Immenstadt bis zur Pause zum 16:16 gleichzogen, lag vor allen Dingen daran, dass die Oberallgäuer in der Abwehr nachlässiger wurden und Simbach auch vermehrt zu Abschlüssen am Kreis kam.

Doch nach dem Seitenwechsel zündeten beide Teams das erwähnte Feuerwerk – allein die ersten vier Angriffe fanden allesamt in einem Tor ihren Abschluss. Die Gäste allerdings entwickelten leichte Vorteile – auch, weil der anfängliche Überraschungseffekt durch die „drei Musketiere" bereits verpufft war. So blieben die Simbacher, die sich nach wie vor nur wenige Fehler leisteten, konstant mit einem Tor in Führung (21:22, 40. Minute). Dabei brachte auch die Rote Karte für Linksaußen Tobias Fügenschuh nach 38 Minuten zunächst keinen erkennbaren Bruch ins Spiel der Gastgeber. Doch zum Auftakt in die Schlussviertelstunde ließen die „Grünen", bei denen von den beiden Außen Marcel Heil eine Leistungssteigerung erlebte, viele Chancen ungenutzt. „Wir haben in Ottobeuren schon 35 Minuten gut gespielt. Und wir wollten nun 60 Minuten an die Leistung herankommen", sagte Becker. „Immerhin waren es nun schon 45..."

Denn in der Folge setzten sich die konstanten Simbacher mit einem 5:1-Lauf auf 28:24 (48.) ab. Am Ende entschied die schwache Abwehrleistung – vor allen Dingen in dieser Höhe – über Sieg oder Niederlage. Die abgezockten Simbacher schraubten das Ergebnis letztlich noch bis zum Endstand in die Höhe. So blieben den Städtlern zwar erneut keine Punkte, aber eine wichtige Erkenntnis: „Ich finde es überragend, wie unsere Jungen es machen. Und ich finde es gut, welchen Weg wir gehen", freute sich „CH" Becker: „Die Leute sehen heuer einen anderen TV Immenstadt. Das ist unsere Zukunft."

Für den TVI spielten: Simon Weigl, Alex Hagenauer (beide Tor); Benjamin Krämer (2), Patrick Harris, Davor Brtan, Julius Kühner (3), Jonas Becker (8), Cristian Savlovschi (3), Dominik Spettel, Matthias Hagenauer (1), Amar Hrustanovic, Daruis Apolzan (5), Marcel Heil (9) und Tobias Fügenschuh

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