Urgestein der Grünen - aus der AZ von Marion Bässler

24.03.2021

Urgestein der Grünen - aus der AZ von Marion Bässler

In der Rubrik Nach-Spiel-Zeit der AZ wird über zurückgetretene Sportler aus der Region berichtet. Und in diesem Fall über unseren Christian Becker.

Über zwei Jahre Jahre war sein Abschiedsspiel schon her, da wollte er noch einmal helfen. In der Saison 2009/2010 feierte Christian Becker sein Comeback bei den Handballern des TV Immenstadt. Der Kader war verletzungsbedingt ausgedünnt, es lag nahe, den Routinier um Hilfe zu bitten - dieser zögerte nicht lange und stand bereit. Doch das neuerliche Rendezvous von Becker und dem TVI lief nicht wie geplant. Beim ersten Rückrundenspiel am 15. Januar 2010 zog sich der damals 42-Jährige mit einem Riss der Achillessehne die schwerste Verletzung seiner gesamten Handballer-Karriere zu. "Ich hätte die Saison gerne zu Ende gespielt, aber das war der endgültige Zwangs-Rücktritt", erinnert sich Becker.
Schon während seiner aktiven Zeit engagierte sich Becker für den Nachwuchs der "Grünen" und coachte Jugendteams des TVI. Nach seinem Rückzug vom Spielfeld war für die Vereinsverantwortlichen daher klar, dass er zunächst als Co-Trainer von Andras Pecsenye installiert werden sollte, um später die Nachfolge des ungarischen Erfolgscoaches anzutreten. Also machte "CH" Becker den Trainerschein und übernahm zwei Jahre später die erste Mannschaft seines TVI. Der Schritt vom Feld auf die Bank, sei ihm damals gar nicht so schwergefallen, sagt der 53-Jährige, ergänzt aber, dass er sich anfangs "schon das ein oder andere Mal am liebsten selbst eingewechselt hätte, aber zwei Jahre mehr waren genug."
Nach drei Jahren im Amt des Cheftrainers wechselte er als Sportlicher Leiter in die Vorstandschaft, fasste jedoch gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen nach zwei Amtszeiten im Februar vergangenen Jahres den Entschluss, "das Zepter" endgültig zu übergeben. "Wir haben ein gutes Team mit eigenen Leuten und Freunden von mir", begründet Becker den Schritt, warum er sich beruhigt zurückziehen konnte. Seine Frau Brigitte und er haben drei erwachsene Söhne. Während Daniel (26) Volleyball spielt, sind Tobias (27) und Jonas (22) in der ersten Mannschaft als Handballer aktiv udn somit indirekt noch heute Becker-Bindeglied zum TV Immenstadt. Mit dem aktiven Geschehen hat der 53-Jährige heute folglich nichts mehr zu tun. Obwohl er dem Handball über 30 Jahre verbunden war, hat Christian Becker seinen Rückzug nie bereut. Vielmehr "genießt" es der Geschäftsführer der Bahnhofbuchhandlungskette, sich sportlich um nichts mehr Gedanken machen zu müssen, sondern die Spiele künftig nur noch ganz gemütlich als Zuschauer auf der Tribüne verfolgen zu können. "Das tut mir richtig gut und ich bin auch schon weit weg vom Geschehen in der Halle", sagt der 53-Jährige.

Erfolgreiches Gastspiel
An seine aktive Zeit denke er jedoch nach wie vor sehr gerne zurück. Als A-Jugendlicher wurde er bei der ersten Mannschaft eingesetzt und feierte mit dem Team des TVI den Aufstieg in die Bezirksliga. Auch später sollten einige Höhepunkte folgen. Ein besonderes sportliches Highlight für Christian Becker war sein fünfjähriges Gastspiel bei der SG Kaufbeuren-Neugablonz, zumal der Ostallgäuer Club damals in der vierten Liga spielte. "Wir hatten eine super Truppe, immer volle Hallen und waren sportlich erfolgreich", schwärmt Becker von der "super Zeit". Keiner hätte dem Team damals zugetraut, dass es die Liga fünf Jahre lang halten kann. Das zu schaffen, war "ein großer sportlicher Erfolg".
2008 durfte Becker noch ein weiteres, unvergessenes Glanzlicht seiner Karriere erleben: den ersten Landesliga-Aufstieg in der Geschichte seines TV Immenstadt. Rückblickend macht er dabei nicht nur den Aktiven, sondern auch dem damaligen Vorstand um Martin Feger ein großes Kompliment. Dieser "hatte den Mut", die Trainer-Koryphäe Andras Pecsenye zu holen und damit ein klares Zeichen zu setzen, "wo die sportliche Reise hingehen sollte". Dass sich "das Städtle" bis zum zehnten Jahr in Serie in dieser hochklassigen Liga halten würde, habe dem TVI damals "keiner zugetraut", sagt Becker voller Stolz.
Ein Grund für den Erfolg mag der gute Zusammenhalt im Team gewesen sein. Denn das was, der 53-Jährige aus seiner aktiven Zeit am meisten vermisst, ist "die verschworene Gemeinschaft". Seine Teamkollegen waren für ihn allesamt auch "Freunde". Das sind sie auch heute noch, fernab des Parketts.

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